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Was macht eine gute Beziehung aus? 5 zentrale Haltungen

Gute Beziehungen sind das Fundament unseres Wohlergehens als Menschen. Sie sind so zentral, weil sie vom Anfang unseres Lebens an unsere ganze Erfahrung prägen. 
Aber was macht eine gute Beziehung aus? Was braucht es, damit Beziehung wirklich aufblühen können? Was macht eine Beziehung erfüllend?
 
Seit ich Circling Workshops leite – Räume der authentischen Kommunikation und Begegnung – habe ich eine ziemlich klare Vorstellung erhalten, was eine gute Beziehung ausmacht. 

Eine Beziehung, die wirklich nährend für beide/alle Partner ist und sie gleichzeitig herausfordert und wachsen lässt.
 
Natürlich ist die Frage nach einer guten Beziehung auf vielen Ebenen sehr individuell und persönlich. Denn es geht darum, was du dir individuell von einer Beziehung wünschst.
 
Dennoch gibt es einige grundlegende Dynamiken, auf der jede gute Beziehung aufbaut. Was diese Dynamiken sind, werde ich in diesem Artikel beschreiben und erläutern.

Was macht eine gute Beziehung aus? Die Meinung anderer hilft nicht

Beziehungen sind das Zentrum von sehr viel Aufmerksamkeit. Bereits so viel wurde über Beziehungen gesagt: Was sie sein oder nicht sein sollten. Was du in einer Beziehung tun oder lassen solltest.
Zu diesen expliziten Meinungen mischen sich zusätzlich die ganzen unbewussten kulturellen Annahmen. Diese geben uns durch unsere Erziehung und soziale Prägung einen gewissen Rahmen in Bezug auf Beziehungen.
Weil dieser Rahmen so oft nicht bewusst wahrgenommen wird, kann er dazu führen, dass wir unbefriedigende Beziehungen leben, die nicht unsere wirklichen Bedürfnisse erfüllen. Und das nur, weil wir versuchen eine Beziehungsart zu leben, welche unsere Kultur für uns erfunden hat. 

 
Deshalb sage ich: Das Wichtigste, um eine gute Beziehung zu leben ist, zu wissen, was eine gute Beziehung für dich ausmacht. Das bedeutet vielleicht, Ideen und Konzepte zu Beziehung zu hinterfragen und mit alternativen Konzepten zu experimentieren.
Oder es bedeutet vielleicht, dass du dich mit deinen Bedürfnissen auseinandersetzt und lernst diese zu kommunizieren.
 
Vielleicht ist eine gute Beziehung für dich eine romantische, monogame Beziehung. Oder es ist eine Beziehung, die hauptsächlich auf persönlichen Wachstum von beiden Partner fokussiert ist. Oder vielleicht ein ganz lockeres, ‚casual relating‘. Vielleicht braucht es verschiedene Formen von Beziehungen mit den verschiedenen Menschen, die du kennenlernst. Ebenso kann sich die Form von Beziehungen durch verschiedene Phasen im Leben verändern oder weiterentwickeln.

Kulturelle Werte im Bezug auf Beziehungen mit den eigenen Werten abgleichen

Gruppendruck oder Ideologien können dazu führen, dass du eine Beziehungsform als ‚richtig‘ betrachtest, die dir nicht entspricht. Ich möchte dich einladen, dich immer wieder auf diese Auseinandersetzung einzulassen und für dich selbst zu entscheiden, was eine erfüllende Beziehungsform und -führung für dich ist.
Die Idee, die ich zu kommunizieren versuche, ist: Versuche nicht, dich in eine Idee über ‚DIE gute Beziehung‘ oder ‚der richtige Art in Beziehung zu sein‘ hineinzuquetschen. Beginne stattdessen, dich damit auseinanderzusetzen, was für dich in Beziehungen stimmig und gesund ist.
 
Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Durch unsere Erziehung und Sozialisierung sind wir oft so tief mit kulturellen Wertvorstellungen verbunden, dass wir diese im später gar nicht mehr als solche erkennen. 

 
Das ist besonders dann schwierig, wenn diese sozialen Werte gegen unsere eigene Integrität gehen.
 
Als Beispiel für solche Werte kann ich hier folgende Beziehungs-Idee beschreiben:
Viele Frauen lernen als Kinder die Beziehung durch die Prinzessinnen-Geschichte kennen. Die Hoffnung der Prinzessin ist, von ihrem Prinzen gefunden und gewählt zu werden. Der Prinz ‚kümmert‘ sich dann um die Prinzessin und liest ihr all ihre Wünsche von den Lippen ab. Natürlich kommt diese Geschichte so plakativ nie in einer späteren Beziehung vor, allerdings ist eine Grundannahme darin enthalten, die ich oft antreffe. Die Frau, die diese Geschichte unbewusst in sich trägt, ist gehemmter, ihre eigenen Bedürfnisse klar anzubringen. Denn das würde gegen die Erwartung an die Beziehung widersprechen und die Rolle des Mannes als der ‚Retter‘ infrage stellen. Allerdings beschneidet dies auch die Möglichkeit für die Frau, aktiv die Beziehung mitzugestalten und Bedürfnisse zu kommunizieren und zu erfüllen.
 
Solche Erwartungen und gesellschaftliche Ideen in Bezug auf Beziehungen zu ‚entlernen‘ ist ein wichtiger Schritt hin zu guten Beziehungen. Hin zu einer guten Beziehung, die für dich erfüllend ist.
 
Das ist genau das, was ich auch mit Teilnehmern meiner Circling Workshops erforsche. Wenn du zu einem Workshop kommst oder eine Session mit mir buchst, wirst du erkennen, wie viele tief verankerten Vorstellungen wir in uns tragen, die uns davon abhalten, auf unsere natürliche Art in Beziehung zu sein. Die meisten dieser Vorstellungen spielen sich auf der Identitäts-Ebene ab. Deshalb können wir diese auch nicht selbst erkennen und verändern. Dafür brauchen wir das Feedback von anderen.

5 Haltungen, die eine gute Beziehung ausmachen

1. Gegenseitiges Verstehen wollen / Aktives Zuhören

Eines der Kern-Bedürfnisse, welches wir in Beziehungen erfüllen können, ist das Bedürfnis verstanden zu werden. Von einer uns wichtigen Person verstanden zu werden und Akzeptanz zu erfahren, ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen.
 
Zu priorisieren, sich gegenseitig wirklich verstehen zu wollen, unterstützt einen gesunden Umgang mit allem, was in der Beziehung aufkommen mag.
Anstatt uns darauf zu fokussieren, recht zu haben, können wir versuchen, die Welt unseres Gegenübers wirklich zu erfassen. Wie ist es gerade für mein Gegenüber? Was fühlt, denkt, sagt die Person? Wie sagt er/sie es? Was mag die Person erleben, dass sie sich so verhält, wie sie es tut?
 
Dies sollte nicht aus einer kritischen, analysierenden Haltung kommen, sondern aus einer offenen, neugierigen. 
Diese Offenheit und Neugier als Gegenüber zu erleben, erschafft die Möglichkeit sich mehr und mehr zu zeigen, mit dem, was gerade wirklich da ist.
Es erlaubt dir, Aspekte deines Gegenübers kennenzulernen, die du noch gar nicht gekannt hast.
 
Dies wirkt sich positiv auf den nächsten Punkt auf meiner Liste aus: Vertrauen. Je mehr ich mich mit all dem zeigen kann, was mich ausmacht, desto mehr Vertrauen erwächst dadurch in der Beziehung.
 
Manchmal kann es sehr schwierig sein diese Offenheit und Neugier zu erhalten und gleichzeitig die eigene Sichtweise, wie auch die des Gegenübers als richtig erhalten kann. Gerade wenn wir in einem Konflikt sind oder in Berührung mit einem blinden Fleck in uns kommen. Durch Konflikte und blinde Flecken kann es sein, dass wir plötzlich nicht mehr die ‚Lücken‘ in unserem eigenen denken und handeln erkennen können.
 
Gerade in solchen Situationen ist es wichtig, dass beide Parteien in dem Versuch bleiben, aktiv zuzuhören und das Gegenüber wirklich verstehen zu wollen. Die Verlockung in solchen Situation ist, die eigenen Gefühle, für die wir keine Verantwortung übernehmen wollen, auf unser Gegenüber zu ‚werfen‘.
Die Kunst besteht in solchen Situationen darin, gegenseitig die jeweiligen Reaktionen hinterfragen zu können, ohne dass jemand dabei falsch gemacht wird. 
Dies ist eine grosse Chance für mehr Intimität und Vertrauen, wenn wir die Wahrheit des Gegenübers mit der unseren abstimmen und eine geteilte Wahrheit erschaffen können.
Was macht eine gute Beziehung aus?

2. Vertrauen 

Vertrauen ist etwas, dass durch und mit der Beziehung wachsen kann. In den meisten Fällen ist bereits eine gewisse Ebene des Vertrauens vorhanden, wenn wir mit jemandem in eine Beziehung treten.
Über die Zeit und wenn wir mehr und mehr von uns in der Beziehung zeigen können, wächst das Vertrauen weiter. 

 
Das sind genau die Faktoren, die zu mehr Vertrauen in der Beziehung führen:
– Die Möglichkeit verletzlich zu sein
– Sich im Moment offenbaren zu können
– Akzeptanz als grundlegende Haltung erleben
 
Manchmal braucht es auch einen Vertrauens-Vorschuss und die Annahme, dass das Gegenüber die besten Intentionen hat. Zum Beispiel, wenn du einen Teil von dir zeigen möchtest, der sich sehr verletzlich anfühlt. Oder wenn du eine Handlung von deinem Gegenüber nicht nachvollziehen kannst.
Dann hilft es gemeinsam auf diese Wahrnehmungen zu schauen und ein Verständnis zu formen, dass man zusammen teilt.
 
In meiner Arbeit mit inneren Anteilen, erlebe ich immer wieder, dass eigentlich allen Handlungen eine positive Intention zugrunde liegt. Das ‚warum‘ ist positiv gemeint. Allerdings kann die Handlung an sich – also das ‚wie‘- auch sehr häufig negative Auswirkungen haben. Diese Diskrepanz ist das, was oft zu Verwirrungen und Missverständnissen in Beziehungen führen kann.
 
Aktives zuhören und wirkliches verstehen wollen, helfen auch hier, um die positive Intention der Handlungen eines Gegenübers zu entdecken. Was versucht das Gegenüber zu erreichen, in dem es so handelt?

Dann können wir gemeinsam Wege finden, diese positive Intention auf eine Art in die Beziehung einfliessen zu lassen, die konstruktiv und der jetzigen Situation dienlich ist.
 
Durch dieses grundlegende Verständnis von Intentionen und Handlungen kann man eine gute Grundlage für Vertrauen schaffen. Gemeinsam durch solche Situationen der Klärung zu gehen, verstärkt das gegenseitige Vertrauen enorm und vertieft das Verständnis von dir selbst und deinem Gegenüber.

3. Herausforderungen und Konflikte als Chancen sehen

Herausforderungen und Konflikte sind Potenziale für Wachstum, die durch die Beziehung aufgezeigt werden. Sie sind immer eine Einladung, ein umfassenderes Verständnis für dich und andere zu entwickeln und zu leben.
 
Wenn du die Fähigkeit entwickeln kannst, nicht ‚recht haben zu wollen‘ und stattdessen herauszufinden versucht, was gerade ‚das Wahrste‘ ist, bist du bereits auf gutem Wege, Konflikte und Herausforderungen als Chancen und Lehrer zu sehen.
 
Dazu ein schönes Zitat: ‚Die Wahrheit kann nie in einer Person gefunden werden, aber ist immer unter uns.‘
 
Das soll in meinem Verständnis und Erleben Folgendes aussagen: Wenn wir bereit sind, unseren Anspruch auf DIE Wahrheit loszulassen und stattdessen nur unsere persönliche Wahrheit vertreten – gleichberechtigt mit den Wahrheiten anderer – dann können wir eine gemeinsame Wahrheit finden, die über uns hinausgeht und uns mit anderen vereint.
 
Wenn wir diese Haltung einnehmen können in Konflikten und Herausforderungen in Beziehungen, verliert sich das ‚gegeneinander‘. Plötzlich sitzen wir beide im selben Boot. Wir haben nur unsere persönliche Wahrheit. Gemeinsam können wir eine grössere Wahrheit erfahren, die unsere persönlichen Ansichten, die Beziehung an sich und den Konflikt mit einschliesst. So entstehen neue Realitäten. Neue Möglichkeiten zu handeln, zu denken und zu fühlen entwickeln sich.
 
Dieses Phänomen ist auch bekannt als vertikaler Wachstum. Also das Entwickeln von neuen Weltsichten. Wir beginnen anders Sinn zu machen aus unserem Erleben. Dem gegenüber steht das horizontale Wachstum, in dem wir mehr Informationen und Wissen ansammeln, das allerdings unsere Weltsicht nicht herausfordert und verändert.
 

4. Ehrlichkeit

Ehrlich zu sein und die Wahrheit auszusprechen ist sehr wichtig für gesunde Beziehungen.
Zum einen, weil es das Vertrauen zwischen dir und deiner Partnerin / deinem Partner vertieft.
Zum anderen, weil es dich tief mit dem verbindet, was dir wirklich wichtig ist.

Die Wahrheit auszusprechen ist nicht immer leicht und sollte natürlich auch mit Wohlwollen balanciert werden. 



Gerade in Situationen, wo wir zu ‚Whistleblower‘ von uns selbst werden und eine unbequeme Wahrheit über uns zugeben müssen, kann es schwierig sein an der Ehrlichkeit festzuhalten, ohne uns besser darstellen zu wollen.
Aber es lohnt sich. Sich selbst zu offenbaren und die eigenen Fehler einzugestehen, kann in einer wohlwollenden Beziehung fast nur zu gegenseitigem Respekt, Achtung und Vertrauen führen und die Beziehung vertiefen.

5. Aus dem jetzigen Moment kommunizieren

Die Fähigkeit, kommunizieren zu können, was gerade lebendig ist, ist wichtig für die Lebendigkeit, Spontanität und Integrität in Beziehungen. Dies ist eine der zentralen Fähigkeiten, die ich mit den Teilnehmern in meinen Workshops trainiere. Und es ist wunderbar zu sehen, wie sehr diese Fähigkeit die Beziehungen der Teilnehmer positiv beeinflusst. 

 
Es geht darum, kommunizieren zu können, was im Hier und Jetzt gerade lebendig und erfahrbar ist – auf physischer, emotionaler, mentaler Ebene.
Dies ermöglicht es deinen Mitmenschen einen Einblick in ‚das wahre du‘ in diesem Moment zu erhalten.
 
Da wir alle sich weiterentwickelnde Prozesse und keine fixierten Persönlichkeiten sind, liegt die einzige Möglichkeit uns wirklich gegenseitig zu erleben und zu kennen darin, mitzukriegen, was im Hier und Jetzt gerade unsere Erfahrung ausmacht. Dieses ‚ungefilterte du‘ im jeweiligen Moment zu kommunizieren und in den Kontakt zu bringen, kann ein grosses Geschenk an die Beziehung sein. Es sagt aus: ‚So bin ich gerade da und ich zeige mich damit‘. Du lädst andere Menschen dadurch ein, sich auch genau so zu zeigen, wie sie gerade da sind.
 
Diese Art zu kommunizieren wirkt sich wiederum positiv aus auf Vertrauen, auf die Möglichkeit ehrlich zu sein, offen zu sein etc.
 
Wenn du diese Art zu kommunizieren lernen und trainieren möchtest, kannst du dir hier die Übungen herunterladen und mit deinem Partner / deiner Partnerin ausprobieren:

Gratis Download: Audio-Bundle mit Übungen für Achtsamkeit und Präsenz in Begegnung

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Projektionen und Selbst-Verantwortung verstehen

Wenn wir über Beziehungen reden – vor allem über intime Beziehungen – müssen wir auch das Thema der Projektionen und der Selbst-Verantwortung beachten.
 
Projektionen können auf vielfältige Weise verstanden werden und es gibt mehrere Definitionen des Begriffs. Für diesen Artikel möchte ich folgende, einfache Definition verwenden: Eine Projektion ist das Wahrnehmen einer Qualität in jemand anderem, die unbewusst im eigenen Selbst den Ursprung hat.
Wenn ich also projiziere, nehme ich eine Qualität in jemand anderem wahr, die ich eigentlich in mir selbst nicht wahrnehmen kann, weil diese verdrängt ist. Oder ich nehme eine Qualität wahr, die ich in mir nicht haben oder anerkennen will. 


Wieso ist dieses Verständnis wichtig für eine gute Beziehung?

Beziehungen sind der perfekte Nährboden für unsere intensivsten Projektionen. In intimen Beziehungen, können wir tiefes Vertrauen erleben, unsere Schutzwälle senken und uns so zeigen, wie wir wirklich sind. So werden wir sehr verletzlich miteinander. Das öffnet Tür und Tor für die tieferen emotionalen Projektionen.
 
Zum Beispiel kann das Gefühl, endlich von jemand anderem erkannt und gesehen zu werden – in meiner guten Absicht, in tiefen Gefühlen etc. – zu Projektionen führen, wo das Gegenüber überhöht wird. Also zu einer Art Held/in aufsteigt in der Erfahrung des Partners / der Partnerin. Dies geschieht vor allem, wenn das ursprüngliche Bedürfnis nach Anerkennung in der Entwicklung unzulänglich erfüllt wurde und dadurch verdrängt wurde.
 
Projektionen können so zu co-abhängigen Dynamiken in der Beziehung führen, wenn sie nicht als solche erkannt werden und die verdrängten Bedürfnisse nicht entdeckt und befriedigt werden. Aber genau darin liegt auch das Geschenk der Projektionen!
Projektionen entstehen immer und sind total natürlich. Es geht nicht darum, nicht zu projizieren. Denn das ist unmöglich.
Es geht vielmehr darum, zu lernen, Projektionen zu erkennen und sich davon auf einen Weg der Selbst-Entdeckung leiten zu lassen.
 
Gerade weil intime Beziehungen den perfekten Nährboden für Projektionen bieten, geben sie auch die Möglichkeit für gemeinsamen Wachstum.
 
In diesem Artikel beschreibe ich, wie du gut mit Projektionen umgehen kannst: Wie du in 3 Schritten Projektionen erkennen und auflösen kannst

Projektionen und verdrängte Bedürfnisse

Projektionen sind immer eine Einladung für eine vertiefte Selbstreflexion und ermöglichen dir deine eigene – noch – unbewussten Bedürfnisse zu erkennen. Deine Bedürfnisse zu kennen wiederum erlaubt dir, diese direkter zu erfüllen.

 
Intime Beziehungen bringen all die Orte in uns ans Tageslicht, an denen wir nicht im Reinen mit uns sind. Entweder, weil etwas fehlt und ein Bedürfnis nicht erfüllt wurde. Oder weil es da etwas gibt, was wir nicht in uns sehen möchten. Wie zum Beispiel eine heftige emotionale Reaktion, die wir in uns bagatellisieren oder gar nicht bemerken.
 
Gerade die Liebe, die in intimen Beziehungen vorhanden ist, ermöglicht es den beteiligten Parteien, sich mit diesen verletzlichen inneren Orten zu zeigen.
 
Wenn wir in der Beziehung unser eigenes Verhalten, unsere Gedanken und Gefühle beobachten und darüber kommunizieren können …
Wenn wir lernen, gesunde Grenzen zu setzen, die aus unserer eigenen, erfahrenen Integrität kommen …
Wenn wir lernen, unserem Gegenüber gekonnt spiegeln zu können, was wir in ihnen wahrzunehmen glauben …
… dann können Beziehungen zu Räumen von tiefem Verständnis von uns Selbst und den anderen werden, in denen Freiheit, Wahrheit und Liebe die Erfahrung prägen.
 
Dadurch kannst du als Individuum wachsen, mehr Verantwortung übernehmen und freier werden. Du kannst beginnen, Qualitäten in dir zu integrieren, welche du zuvor im Aussen gesucht hast. Du gehst wichtige Schritte Richtung Ganzheitlichkeit.

Selbst-Verantwortung mit den eigenen Bedürfnissen

Selbst-Verantwortung ist in diesem Bereich die Fähigkeit zu erkennen, wann du auf dein Gegenüber projizierst. Und dann mit dieser Projektion bewusst präsent zu sein, ohne diese auszuagieren und von deinem Gegenüber zu verlangen, diese Qualität für dich zu verkörpern.

Ebenfalls sehe ich als Selbst-Verantwortung, dass du aktive Schritte unternimmst, um die Qualität, die du entweder suchst oder davor fliehst, wieder in dein Selbstbild zu integrieren. Das ist natürlich einfacher gesagt, denn getan. In den meisten Fällen braucht es dafür Training und/oder Begleitung, um dies zu tun. Dennoch ist es möglich, diese Fähigkeit der Selbstreflexion und Selbst-Verantwortung zu lernen.

Umarmen was ist. Nicht was sein könnte

Etwas Letztes, was ich noch zu dem Thema der Beziehungen teilen möchte: Wenn es in der Beziehung gerade sehr schwierig war, habe ich mich selbst oft dabei erwischt zu denken: ‚Vielleicht wäre es mit einer anderen Partnerin nicht so schwierig. Vielleicht sollte ich diese Beziehung gehen lassen und mich für jemand anderes öffnen.’ 
Natürlich gibt es Zeiten, in denen das Beenden einer Beziehung für alle Involvierte das Beste ist. Aber ich glaube, dass in den meisten Fällen solche Gedanken und Zweifel aufkommen, wenn etwas in der Beziehung zurückgehalten wird und unbenannt bleibt.
 
Immer, wenn ich die volle Verantwortung für meine Erfahrung übernahm und diese Zweifel in die Beziehung mit meiner Partnerin eingebracht habe, habe ich etwas komplett anderes entdeckt, was diesem Impuls zugrunde liegt.
 
Um es in den Worten der Praktik zu beschreiben, die ich meinen Workshops lehre: Immer wenn ich meine Hingabe an die Verbindung (Commitment to Connection) hielt und unbequeme Wahrheiten eingebracht habe (Owning your Experience), konnte ich durch die oberflächliche Reaktion auf die darunter liegenden Muster schauen. Natürlich mit der Unterstützung meiner Partnerin, die mich in meiner Kommunikation und meinem Sein gespiegelt hat und präsent geblieben ist, bis wir ein gemeinsames Verständnis dieser Reaktion erschaffen haben.
 
Ganz oft kam ich in Kontakt mit tiefer Trauer, wenn ich mich mit diesem Zweifel an der Beziehung zeigen konnte. Unerfüllte Bedürfnisse konnten durch die Beziehung zum Vorschein kommen, die ich seit langer Zeit verdrängt hatte. Unbewusst habe ich geglaubt, dass dieses Bedürfnis sowieso nicht erfüllt werden kann. Deshalb habe ich versucht, der Beziehung zu entfliehen, anstatt die Gefühle fühlen zu müssen, die mit dem Bedürfnis assoziiert waren – wie Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Resignation, Wut, Trauer.
 
Dass ich diese Zweifel verletzlich zeigen konnte und mir darin in Offenheit und Neugier begegnet wurde, hat mir erlaubt, die eigentlichen Bedürfnisse darunter zu entdecken. Zudem hat es mich noch mehr mit mir selbst und mit meiner Partnerin verbunden.
 
Es bringt eine komplett andere Energie in eine Beziehung, wenn wir uns erlauben können, mit all dem da zu sein, was uns ausmacht. Wenn wir allen erlauben können, mit dem präsent zu sein, was durch die heilende Kapazität der intimen Beziehung in uns zum Vorschein kommt, machen wir uns und unseren Gegenübern ein riesiges Geschenk. 
Das zu umarmen, was IST, wird dich mit reichhaltigeren und tieferen Beziehungen beschenken. Auch diese Haltung und Art zu sein, kann gelernt und geübt werden.

Gute Beziehungen leben

Das sind die Hauptpunkte für die Frage ‚Was macht eine gute Beziehung aus?‘, die ich in diesem beschrieben habe, sind:
Es gibt keine Formel für die perfekte Beziehung, es geht darum, dass du dir die Beziehungen so kreierst, wie es für dich passt.
Gleichzeitig gibt es bestimmte Haltungen in allen Beziehungen, welche das Erlebnis für alle besser machen: Sich gegenseitig zuhören und wirklich verstehen wollen, offen und ehrlich kommunizieren, gegenseitiges Vertrauen aufbauen und pflegen und Herausforderungen und Konflikte als Chancen begrüssen.
 
Und als Letztes möchte ich noch hinzufügen: Es liegt so viel Potenzial in Beziehungen. Beziehungen sind der Urgrund deines Erlebens von dir selbst und deinem Leben. Beziehungen sind etwas vom zentralsten in unserer Erfahrung. Wenn du also der Beziehung zu anderen und dir selbst eine zentrale Wichtigkeit in deinem Leben einräumst und diese so gestaltest, wie sie für dich wirklich erfüllend ist, beeinflusst du dadurch alle Bereiche deines Lebens.
 
Was denkst du über Beziehungen? Was macht für dich eine gute Beziehung aus? Welche Erfahrungen hast du in Beziehungen machen können? Hast du Gedanken, Fragen oder Meinungen zu dem Thema? 

Teile diese mit uns in den Kommentaren!
 

Ich würde mich über einen Austausch in Bezug auf Beziehungen sehr freuen!
Alles Gute,
Sam
 

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